Oberbayerisches Volksblatt    Februar 2005
Sokotra: "Galapagos des Indischen Ozeans"

Wer wie Günter Grass am smaragdblauen Strand von Sokotra nach Muscheln und Korallen Ausschau halten, bizarre Drachenblutbäume bestaunen und durch Höhlen und Canyons wandern will, hat dazu jetzt die Möglichkeit. Ein auf den Jemen spezialisierter Veranstalter bietet dieses ganz besondere Reiseziel zweimal im Jahr und nur für kleine Gruppen an.
Die im Indischen Ozean gelegene Insel ist Teil eines rund 250 Kilometer vom Horn von Afrika entfernten Archipels und gilt seit 2003 als "Mensch- und Biosphären-Reservat". Politisch gehört die Inselgruppe zur Republik Jemen, geologisch bildet sie die Fortsetzung des Horn von Afrika.

Außergewöhnliche Flora und Fauna
Der langen Isolation verdankt die Insel ihre außergewöhnliche Flora und Fauna und bekam deshalb auch die Bezeichnung "Galapagos des Indischen Ozeans". Wegen ihrer strategisch günstigen Lage und wegen ihres Reichtums an Weihrauch, Myrrhe und Aloe war die 135 Kilometer lange und 40 Kilometer breite Insel seit jeher ein begehrtes, aber schwer zu erreichendes Ziel.
Angesichts einer wechselvollen Geschichte - sowohl Griechen als auch Portugiesen, Engländer und schließlich Südaraber besetzten die Insel - und der isolierten Lage ist es nicht erstaunlich, dass eine systematische Erforschung erst spät einsetzte. Erst mit der politischen Öffnung in den 90er-Jahren und dem Bau eines Flughafens vor fünf Jahren ist die Insel einem größeren Kreis von Naturliebhabern zugänglich.
Teilnehmer der Wander- und Expeditionsreisen, die einmal im Frühjahr und einmal im Herbst stattfinden, lernen die bis vor wenigen Jahren kaum zugängliche Insel mit ihrer unberührten Natur und ihren berühmten Drachenblutbäumen intensiv kennen. Einheimische Führer ermöglichen den Zugang zu kleinen Dörfern auf dem Hochland und an der Küste. Besonders im Hochland (bis 1800 m) pflegen die Menschen noch Traditionen und Bräuche, die auf dem arabischen Kontinent längst ausgestorben sind.