Angela und Hans Lohr (2004)

Eine Reise mit Abdul durch den Jemen.

Abdulfatah al Sharei erwies sich vom ersten Moment an als unser umsichtiger und fürsorglicher Begleiter der uns das Gefühl gab, mehr Freund als Reiseführer zu sein. Er nahm uns mitsamt seinen Freunden in einheimische Restaurants und Garküchen mit, sodass wir uns gleich ganz „mittendrin“ fühlten; er unterstützte uns geduldig bei dem Versuch, uns mit rudimentärem Wortschatz und viel Zeichensprache an die überraschend offene und liebenswürdige einheimische Bevölkerung heranzutasten. So hatten wir bald trotz unserer Sprachschwierigkeiten das Gefühl, ein wenig zu Land und Leuten vorzudringen.

Freunde hatten Bedenken gegen die Reise und auch das Auswärtige Amt rät ja nicht gerade zu einer Reise in den Jemen. Trotzdem hatten wir im Land nie das Gefühl von Unsicherheit oder gar Bedrohung. Auch die jungen Soldaten, die uns auf bestimmten Streckenabschnitten zu unserer Sicherheit begleiteten, waren eher neugierig auf uns und hatten Freude dran, uns etwa auf fünfstöckige Lehmruinen zu schleppen oder an uns ihre Englischkenntnisse auszutesten.. Mubarak, der Beduine, der uns durch die Wüste begleiten sollte, lud uns erst zum Tee nach Hause ein, bevor er voller Vergnügen mit seinem Toyota –Pickup die steilsten Sanddünen bezwang. Das sensationelle Essen aus Abduls Küche und die Zeltübernachtung in der Wüste werden uns sicherlich unvergessen bleiben.

Wadi Hadramaut, Wadi Do’an, Mukalla, Bir Ali, Habban, Aden, Taizz und Dschibbla - die
ursprüngliche Heimatstadt von Abdul - waren weitere Stationen auf unserer Rundreise, bevor es wieder zurück nach Sana’a ging. Aufgrund der vielen Eindrücke hatten wir das Gefühl nicht gut zwei, sondern vier Wochen unterwegs gewesen zu sein.

Jemen ist ein wunderbares, hoch kulturelles, landschaftlich außerordentlich abwechslungsreiches Land mit beeindruckenden Menschen, gleichzeitig ein Land wie aus einer anderen Zeit. Bald wurde uns klar, wie wichtig in dieser Zeit wachsender Vorurteile und Missverständnisse persönliche Gespräche ohne gegenseitiges Misstrauen sind.

Wir würden diese Reise sofort wieder machen!

Angie und Hans Lohr, 2004