Angela und Hans Lohr

Reise auf die Insel Sokotra – von Angie und Hans Lohr (2006)
Sokotra, diese urweltliche Insel die so ganz anders war als alle Inseln die wir bisher kannten,
hat uns tief beeindruckt. Vermutlich hätte Steven Spielberg Teile seines Films „Jurassic Park“ dort gedreht, wenn er diese Urwelt vorher gesehen hätte.

Unsere Reise führte uns zunächst von der Hauptstadt Hadibu aus nach Osten etwas landein-wärts. Wir passierten unzählige Flaschen,- Drachen und Weihrauchbäume bis wir schließlich inmitten dieser Urwelt unsere Zelte aufschlugen. Am Tag darauf ging es einige Kilometer durch eine malerische Schlucht bergab zu Fuß weiter ans Meer. Zauberhafte Ausblicke, ein Zwischen-stopp an einem extrem fotogen gelegenem Badeteich und die Begleitung von zwei Hirten lie-ßen die Zeit wie im Flug vergehen.

Wadi Ar-Ar, ein traumhafter grüner Platz zwischen Steilwand, angewehten weißen Dünen hinter uns und Sandstrand vor uns, wurde unser Paradies für zwei Tage: direkt aus den Dünen ent-sprang ein kräftiger Bach, der zwischen den Zelten hindurch floss und bereits nach etwa 80 Metern ins Meer mündete. Auf der Wiese fanden sich unzählige dicke Büschen mit Sokotraveil-chen. Hier feierten wir Silvester mit frischen Langusten vom Fischer.

Nach einer Nacht im Hotel in Hadibu wurde es stürmisch in Qalansiya, wo wir nur mit Mühe unsere Zelte aufstellen konnten und die Spaghetti auf dem Gaskocher im 4x4-Toyota kochen mussten; trotzdem war die Wanderung über die hohen Dünen unter dem vielfarbigen stürmi-schen Himmel ein Traum.

Das Fischerdorf war für unsere Frauen das Erlebnis! Auf der Suche nach den wunderschönen rot-orange-lilafarbenen Tüchern der einheimischen Fischerfrauen landeten wir irgendwo im Ge-tümmel der Gassen in einem Gehöft, wo sich in Windeseile zehn Frauen mit ihren Waren ein-fanden. Tee für alle, die Anprobe der Tücher und das vielstimmige deutsch-arabische Palaver wären einen Film wert gewesen. Unsere Männer waren ziemlich froh, als wir nach zwei ver-schwundenen Stunden wieder heil mit unseren Schätzen auftauchten… Der nächste Ort, den wir nach unserem jemenitischen Begleiter Ras Abdul benannten, war auch wettermäßig wieder pa-radiesisch. Alte lange Einbaum-Fischerboote, aus Korallen erbaute, niedere Schutzhütten an einem weißen Strand und wir allein in diesem traumhaften Winkel! Hier konnten wir bei langen Spaziergängen am Strand die Seele baumeln lassen.

Über Hadibu, wo wir uns mit einer Dusche und Wäschewaschen wieder auf europäischen Standart brachten, fuhren wir nach Süden in dieses schroffe Gebirge aus hartem Gestein, durch das sich in Millionen von Jahren tiefe Schluchten gefressen haben und wandern bei Dexum in eines der so entstandenen Wadis. Man müsste eigentlich einen ganzen Tag lang durch diese traumhafte Schlucht am Fluss entlang wandern - das nächste Mal vielleicht… Wir sind jedenfalls wieder auf die Hochebene gestiegen, wo unser Zeltlager unter einem roten Abendhimmel zwi-schen einem Wald aus riesigen Drachenbäumen auf uns wartete.

Die Südküste ist Südsee pur: Baden am breiten weißen Strand am Palmenhain, nach dem Sonnenuntergang Fisch vom Grill mit Salat- was braucht man mehr nach so einem wunderbaren abenteuerlichen Urlaub? Höchstens noch ein bisschen Sokotra!

Angela und Hans Lohr, 2006